Startseite


Produkte
AME-Dragracer
Testberichte
310 PS-Einser
GTI 16V 307 PS Golf I
Scirocco 282 PS
Technik
Kontakt
310 PS Golf I

Flotter Dreier
Der kleine Unterschied: Drei Super-Gölfe im Vergleich

Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Aber "schnell" ist nicht gleich "schnell". VW-Scene wollte wissen: Wo liegen die Unterschiede zwischen Extrem-Golf, Viertelmeilen-Killer und einem alltagstauglichen, getunten Allrounder? Wir baten die Spezialisten von TEC, AME-Rennsporttechnik und MK Tuning zu einem Showdown ins Contidrom. Als Tester stand uns Erik Schwarz aus dem VW-Scene-Fahrer Team zur Verfügung, der 1998 den Lupo-Cup gewonnen hat und in diesem Jahr im New-Beetle-Cup immer für eine Pole-Position gut ist. Der Rennprofi hat das Wort...

Die Zeiten
Handling 1/4 Meilen-
Sprint
AME 1.34:95
1.32:18
1.30:44
0.13:18
0.13:22
0.13:00
MK 1.19:22
1.19:22
1.18:24
0.16:13
0.16:14
0.15:33
TEC 1.18:01
1.18:36
1.17:95
0.14:29
0.14:43
0.14:43
Bedingungen: Wetter trocken,
leicht windig, 16° Außentempertur
Die Vorbereitungen für diese Story waren nicht ganz einfach. Ein Fahrvergleich im weltweit auflagestärksten VW-Magazin scheint so manchen Tuner ins Grübeln gebracht zu haben: "Was ist, wenn mein Produkt schlecht abschneidet?" Nicht jeder Tuner, den wir angesprochen hatten, war bereit, sich der VW-Scene zu stellen. Fairerweise muss gesagt werden, dass der eine oder andere zum genannten Termin kein fahrfertiges Auto zur Verfügung hatte. Wir werden daraus lernen und eine mögliche Wiederholung weit im Voraus planen. Umso erfreulicher, dass Reifenproduzent Continental spontan seine Unterstützung zugesagt hat und die Conti-Leute am Test-Tag einen reibungslosen Ablauf garantieren konnten. Super. Ein Extra-Lob gebührt auch dem TEC-Team, welches das Pech hatte, dass ein französischer Journalist vier Tage vor dem Test den Vorderwagen des TEC-Golfs kalt verformt hatte und die Jungs um Daniel Nonnenmann rund um die Uhr schraubten, um den Wagen wieder flott zu kriegen. "Wir haben, ohne zu testen, den Wagen auf den Hänger gepackt. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass alles gehalten hat", sagte ein sichtlich erfreuter Daniel Nonnenmann am Ende des Tages. Doch auch Mutlu Caylar von MK Tuning und Andreas Ernst von AME-Rennsporttechnik hatten Grund zum Strahlen. Warum, erzähl' ich Euch gleich...

Was ging ab?

ContidromUnsere ursprüngliche Idee war, den schnellsten Golf im Contidrom zu ermitteln. Denn das 2,8 km lange Oval verfügt wie ein NASCAR-Rundkurs über Topspeed-taugliche Steilkurven, die mit Tempo 250 und mehr durchflogen werden können. Aber dann beschlossen wir, unseren Test mehr in Richtung Lesernähe zu verschieben. So fantastisch eine solch spektakuläre Vmax-Messung auch gewesen wäre, Sprinterqualitäten und Handling sind für die meisten von uns von größerer Bedeutung. Also richteten wir unser Augenmerk auf die beiden letztgenannten Disziplinen. Für den ersten Fahrtest stand uns der verkürzte große Handlingkurs zur Verfügung, auf dem normalerweise Trockenfahrtests durchgezogen werden. Ein 2,4 km langer Rundkurs mit schnellen Kurven, kurzen Geraden und einer ziemlich engen Ecke, in der es auf gute Traktion ankommt. Jedes Auto wurde einzeln gefahren. Den Sprinttest haben wir auf der Verbindungsgeraden des Conti-Ovals in Form einer klassischen Viertelmeile (402 m) absolviert. Auch hier stand Praxisnähe im Vordergrund, d.h. Traktionshilfen wie Kleber oder ein Vulkanisieren der Strecke fanden keine Verwendung. Nur mal am Rande: Alle Fahrtests habe ich mit Helm und Rennanzug gefahren, denn bei allem Spaß darf auch die Sicherheit nicht zu kurz kommen. Nur fürs Foto-Shooting haben wir den Helm mal abgenommen.

Die Kandidaten

AME-GolfDrei Autos, drei Konzepte. Schon auf den ersten Blick machten die angetretenen Gölfe (oder findet Ihr den Plural "Golfs" besser?) klar, für welchen Zweck sie gebaut wurden. Der TEC-Golf mit seinen riesigen Bremsscheiben darf ungestraft als Extrem-Golf bezeichnet werden, 330 PS sprechen eine klare Sprache. Rund 20 Pferdestärken weniger Mobilität der AME-Golf, der radikal auf die Quartermile getrimmt wurde. Ausgeräumt und ohne ein Gramm unnötiges Fett, wiegt der Einser gerade mal 840 kg. Nicht schlecht, liebe Berliner. Als Rundstreckenspezialist war mir klar, dass es der Quartermile-Killer auf dem Handlingkurs schwer haben würde. Aber wir wollten auch einen straßentauglichen VW-Dragracer, und AME hat sich hierfür ins Zeug gelegt. "Unser Betätigungsfeld ist die Viertelmeile. Darauf haben wir uns spezialisiert, und die Technik des Golfs ist darauf abgestimmt. Wir sind selbst gespannt, wie wir uns auf der Rundstrecke schlagen", meinte Andreas Ernst. Und dann war da noch der Dritte im Bunde. Ein Golf 4 von MK Tuning. Tiefergelegt mit Chip-Tuning und ein typischer Vertreter eines Szene-Golfs. Wie würde der 220 PS starke Vierer abschneiden?

Im Tiefflug um die Kurven

AME-GolfIch hatte schon einmal Gelegenheit, im Contidrom zu testen, bin also mit dem Kurs vertraut. Dennoch drehe ich erst mal ein paar lockere Runden zum Aufwärmen. Dann muss der Kandidat von MK Tuning zeigen, was in ihm steckt. Erster Eindruck: ein wahnsinnig gutmütig wirkendes Auto, das obendrein noch sehr schnell ist. Der mit einem KW-Gewindefahrwerk und H&R-Stabi ausgestattete Golf liegt ziemlich satt in kontrollierbarer Untersteuerung auf der Strecke. Der Motor spricht gut an und hängt sauber am Gas. Unterm Strich stehen 1.18:24 min. Nicht schlecht, aber ein Vergleich mit dem TEC-Golf soll zeigen, was diese Zeit wert ist. Dieser unterbietet mit 1.17:95 den bisherigen Bestwert um drei Zehntel. Dass der 330 PS starke Turbo-Vierer auf die "Pole-Position" fahren würde, war zu erwarten. Allerdings hatte ich schon damit gerechnet, dass er noch ein wenig schneller sein würde. Auffällig ist der gewaltige Kraftunterschied, nachdem der Turbo einsetzt. Der Motor sollte daher auf hohen Drehzahlen gehalten werden, was insbesondere aus engen Ecken nicht ganz einfach ist. Bei vollem Krafteinsatz kämpft der Fahrer selbst im dritten Gang mit durchdrehenden Rädern - trotz Traktionskontrolle. Die Straßenlage ist insgesamt etwas neutraler. Die Bremsen verzögern super. Während die Serienbremsen im MK-Tuning-Golf nach drei heißen Runden um eine Auszeit bitten, sind die TEC-Bremsen immer noch standfest. Wären mehr schnelle Passagen im Kurs, hätte der TEC-Golf seinen Abstand sicher noch vergrößern können. Auch der AME-Golf wäre dann möglicherweise in dieser Disziplin besser weggekommen. Mit 1.30:44 liegt der 310 PS-Einser gute 12 Sekunden zurück. Am Motor liegt`s nicht, der hat Biss ohne Ende. Vielmehr schmecken dem Silbernen die Kurvenfahrten nicht. Anfangs untersteuert er stärker als die beiden anderen, dann aber drängt die Hinterachse nach außen und will durch rasches Gegenlenken wieder eingefangen werden. Auch hier tendieren die Bremsen zur frühzeitigen Ermüdung. Doch wir dürfen dem AME-Team nicht Unrecht tun. Wer auf der Viertelmeile geradeaus die letzten Zehntel und Hundertstel herausholen will, muss ein Fahrwerk eben komplett anders abstimmen. Und das erfordert Kompromissbereitschaft in den Kurven.

402 m volles Rohr!

Die Sprintprüfung über 402 m entspricht der klassischen Viertelmeile, wie sie in den USA im professionellen Beschleunigungsrennsport oder hierzulande auch beim VW Blasen gefahren wird. Vierzehn Sekunden sind für ein Straßenauto exzellent. Von einem aktuellen Porsche 911 Carrera oder einer Chevrolet Corvette C5 darf man Zeiten zwischen 13,2 s und 13,4 s erwarten. Da sind wir natürlich platt. als AME zum Gegenschlag ausholt. Als erfahrener Viertelmeilen-Pilot bittet uns Andreas Ernst, den silbernen Sprinter selbst fahren zu dürfen. No problem! Obwohl der Berliner bei den ersten beiden Versuchen den Motor jenseits von 8.000 U/min in den Begrenzer jagt, kommen mit 13.18 s und 13.20 s sehr passable Zeiten zustande. Nachdem er sich an die Strecke gewöhnt hat, liefert er ein für die Verhältnisse fantastisches Ergebnis ab. 13.00 s liegen zwar noch 1,5 s hinter der Bestzeit des Golfs, sind aber mehr als beachtlich. Continental-Testingenieur Holstein bemerkt anerkennend: "Der geht ja richtig gut!" Das gilt auch für den TEC-Golf, der mit 14,29 s sicherlich sein Potential noch nicht ausgeschöpft hat. Diese Zeit wurde mit einer Launch-Control gefahren, bei der die Traktionskontrolle mit dem Motormanagement Hand in Hand arbeitet. Eine frei wählbare Voreinstellung erlaubt es beispielsweise, den Motor für Start auf 4.400 U/min hochzuhalten. Wenn die durchgetretene Kupplung dann schlagartig losgelassen wird, erkennt die Elektronik, dass die Räder durchdrehen, lässt dann aber - ebenfalls einstellbar - nur 5% Schlupf zu. Bis man hier die optimalen Ergebnisse erzielt, muss man ein bisschen experimentieren. Erwartungsgemäß kann der von MK Tuning gebaute Golf in dieser Disziplin nicht ganz mithalten. Für ein mit Lederausstattung, Klimaanlage, Car-Hifi und anderem Zubehör ausgerüstetes Straßenauto sind die erreichten 15.33 s jedoch sehr zufriedenstellend.

So etwas wie ein Fazit!

Golf IV 1.8 T RS 59 von TECEs wäre schön gewesen, wenn wir innerhalb der drei Kategorien etwas mehr Konkurrenz gehabt hätten. Vergleichszeiten mit einem anderen Auto auf dem kurzen Handlingkurs belegen aber, dass die gefahrenen Zeiten von TEC- und MK-Tuning-Golf auf hohem Niveau liegen. Dass Letzterer nur knapp hinter der Hi-Tech-Maschine von TEC liegt, hat nicht nur mich überrascht. Mutlu Caylar von MK Tuning gab zu Protokoll: "Ich wusste gar nicht, wie gut mein Auto geht!" Doch auch Daniel Nonnemann von TEC konnte sich freuen. Seine Fahrmaschine legte auf Rundkurs und Viertelmeile super Zeiten hin. Mit einer beeindruckenden Bestzeit konnte auch der A-M-E-Golf aufwarten. Der Einser ist auf der Viertelmeile eine echte Waffe. Sehr erfreulich, dass keiner der drei Probanten von irgendwelchen technischen Defekten geplagt wurde. Auch mechanisch hatte man also gute Arbeit geleistet. Allerdings möchte ich an dieser Stelle anregen, bei einer Wiederholung im nächsten Jahr das Bremspotential mit einzubeziehen. Schnelle Autos müssen gute Bremsen haben. Das bringt nicht nur Vorteile in Sachen Sicherheit, sondern auch bei der Fahrdynamik. Darauf sollten wir unser Augenmerk schon richten. Meine persönliche Wahl? Da ich in meinem Job immer Autos fahren muss, die dafür gebaut wurden, dass man sie am Limit bewegt, würde ich mich in diesem Fall für den Allrounder von MK Tuning entscheiden. Dass jemand mit anderen Vorstellungen oder Bedürfnissen zu einem anderen Ergebnis kommen mag, versteht sich von selbst.

VW-Scene Heft 9/99, Text: Erik Schwarz, Thomas Ebeling, Fotos: Thomas Ebeling, Carsten Krome, Stefan Kuberka, Testgelände: Contidrom (Fa. Continental).


Startseite | Produkte | AME-Dragracer | Testberichte | Links | Impressum | Nach oben Nach oben
                                                                                        Es gelten unsere AGB  AME Racingteam                                                                                              AME-Racing Facebook